Peter der Ältere
Vischer

Erzgießer, Bildhauer, Rotschmied

geb. Nürnberg, 1460

gest. Nürnberg, 06. Jan 1529

* 1460 Nürnberg – † 6. begr. 7. 1. 1529 Nürnberg, 

Familiengrab Nr. 90 auf dem Rochusfriedhof, Epitaph dat. 1522, noch vorhanden. Sohn des →Hermann d. Ä., Rotschmied. ∞ 1485 Margaretha († 20.7.1522), Tochter des Hans Groß, fünf Söhne: Hermann d. J., Peter d. J., Hans III., Paulus und Jacob. Ausbildung und Tätigkeit als Geselle in der väterlichen Gießhütte. Mit Rv. vom 24.1.1488 wurde er zum Meisterstück zugelassen. Nach nicht gesicherter Überlieferung soll er den großen Messingleuchter in der Nürnberger Lorenzkirche gefertigt haben. Nach dem Tod seines Vaters übernahm er dessen Gießhütte, die sich „am Sand“ auf dem Schießgraben befand. 1505/06 kaufte Vischer drei Häuser am Katharinengraben (heute Peter-Vischer-Straße 21, 23 und 25), wo er und seine Söhne arbeiteten und wohnten. 1505 wurde Vischer Gassenhauptmann, welches Amt er bis zu seinem Tod innehatte, 1520-29 war er Genannter des Nürnberger Rats. In ihrem über 30jährigen Bestehen hatte sich die Werkstatt bereits einen Ruf weit über Nürnbergs Grenzen hinaus erworben. Peter d. Ä. brachte die Gießtechnik zur höchsten technischen Vollendung und entwickelte die Werkstatt zu der bedeutendsten Gießhütte der frühen Neuzeit. Vischer lieferte seine Messinggrabmäler und Epitaphien laut Neudörfer bis nach Ungarn und Böhmen, doch haben sich dort bisher noch keine Werke nachweisen lassen. Zu seinen wichtigsten Arbeiten zählt die 1494 begonnene und 1495 datierte Grabtumba des Erzbischofs Ernst von Sachsen im Dom zu Magdeburg. Vischer war als Werkstattleiter für sämtliche Arbeiten und die Abwicklung der Aufträge verantwortlich. Teilweise arbeitete er nach fremden graphischen Vorlagen und nach Modellen anderer Künstler wie Adam Kraft oder Veit Stoß. Das Hauptwerk Vischers ist zweifellos das Sebaldusgrab in Nürnberg. Die Idee stammte von Sebald Schreyer, der damals Kirchenmeister von St. Sebald war. Eine 1488 dat. Entwurfszeichnung befindet sich im Kpstkab. der AdBK Wien. Obwohl sie das Werkstattzeichen Peter Vischers d. Ä. trägt, dürfte sie nicht von ihm selbst stammen. Nachdem 1506 „etlich Silber von dem Sarg“ gestohlen worden war, erteilten die Ratsherren Anton II. Tucher, Lazarus I. Holzschuher, Sebald Schreyer, Peter Imhoff d. Ä. und Sigmund Fürer am 14.5.1507 den Auftrag für das Sebaldusgrab, am 7.6.1507 erfolgte eine erste Anzahlung. An dem Werk arbeiteten Vischers Söhne tatkräftig mit, wobei die Modelle der zahlreichen Skulpturen und des sonstigen Zierats wohl vorwiegend von Hermann d. J. und Peter d. J. stammen dürften, die beide mit den Gestaltungselementen der italienischen Renaissance vertraut waren. Die Arbeit zog sich länger als vorgesehen hin, erst am 19.7.1519 wurde das Werk in der Sebalduskirche aufgestellt. Die Entlohnung lag bei 20 fl. pro Zentner, wobei 5 fl. auf den Messingbrenner für das Material und 15 fl. auf die Arbeit der Vischerhütte entfiel. Das Gesamtgewicht ist bei Neudörfer mit 120 Zentnern 12 Pfund angegeben, tatsächlich soll das Grab jedoch 157 Zentner wiegen. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 3145 fl. 16 sh. Am Sockel des Grabmals befindet sich an der Schmalseite das Selbstbildnis von Peter Vischer d. Ä. Gleichzeitig waren Vischer und seine Söhne auch mit anderen größeren Arbeiten beschäftigt, so daß sie eine weitere Werkstatt einrichteten, wozu ihnen der Rat mit Rv. vom 3.10.1514 ein Haus beim Weißen Turm (Breite Gasse 99, Vorkriegsnummerierung) gegen Zins für vier Jahre überlassen wollte; das Haus hatte früher der Röhrenmeister innegehabt, siehe Hans Rudolf. 1513 entstanden die Figuren des Artus und Theoderich für das Grabmal Kaiser Maximilians I. in der Hofkirche in Innsbruck, die mit rund 1000 fl. bezahlt wurden. Dritter großer Auftrag dieses Zeitraums ist das Fugger-Gitter. Das von den Brüdern Ulrich († 1510), Georg (†1516) und Jakob († 1525) Fugger aus Augsburg bestellte Prachtgitter für deren Grabkapelle in der St. Annakirche zu Augsburg wurde jedoch nicht abgenommen und 1529 unter Verzicht auf die Anzahlungen in Höhe von 1427 fl. rh. 11 sh. 8 hlr. der Vischerwerkstatt überlassen. 1530 wurde es an den Rat der Stadt Nürnberg um 940 fl. 5 lb. und 6 sh. verkauft. Die Werkstatt Peter Vischers d. Ä. lieferte neben den Grabdenkmälern auch Leuchter (Hameln, St. Nicolai, um 1525 als Zweitguss nach dem Modell der Engelleuchter vom Grabmal für Kardinal Albrecht von Brandenburg in Aschaffenburg) und ein architektonisch gestaltetes Taufbecken (Ochsenfurt, Pfarrkirche, um 1514/1515). Im Gedenkbuch Kaiser Maximilians I. von 1506/08 ist ein Vermerk, daß ein „Meister Peter, Rotschmied, 3-400 altfränkische Bilder besitzt, wie Jeronimus Haller weiß“. Hierbei dürfte es sich nicht, wie mehrfach vermutet, um eine Sammlung römischer Münzen gehandelt haben, sondern um Gußmodelle und Werkstattzeichnungen. Panzer verzeichnete Vischers Portrait. Die Peter-Vischer-Straße und die Peter-Vischer-Schule wurden nach ihm benannt.

Werke: 
ALTENBURG, Schloßkirche: Grabplatte für Friedrich Busch, nach 1501 und Michael Bach, nach 1506. 
ASCHAFFENBURG, Stiftskirche: Grabplatte für Kardinal Albrecht von Brandenburg, 1523-1525. 
AUGSBURG, Moritzkirche: Pfarrer Johannes Vischer, wohl 1513. 
BADEN-BADEN, Stiftskirche: Grabplatte für Markgräfin Ottilie von Baden, nach 1517; Tischgrab für Bischof Friedrich IV. von Utrecht, nach 1521; Grabplatte für Christoph I. von Baden, nach 1527. 
BAMBERG, Dom: Grabplatten für: Dr. Hertnid von Stein zu Ostheim, nach 1491; Erhard Truchseß von Wetzhausen, nach 1491; Georg von Aufseß, nach 1492; Friedrich von Aufseß, nach 1492; Bischof Heinrich III: Groß von Trockau, 1492/1493; Berthold Graf von Henneberg, nach 1495; Friedrich von Schaumberg, nach 1503; Bischof Veit I. von Pommersfelden († 1503); Bischof Georg II. Marschalk von Ebneth, 1505/1506; Eberhard von Rabenstein († 1505);;Johannes von Stein zu Ostheim († 1505); Dekan Karl von Seckendorf († 1505); Domherr Friedrich von Redwitz († 1510); Christoph von Thünfeld († 1510); Georg von Schaumberg, nach 1510; Mathias von Schaumberg († 1510); Dr. Leonhard von Egloffstein († 1514); Wolfram von Redwitz, nach 1521. 
BERLIN, Dom: Tischgrab für Kurfürst Johann Cicero, 1530 (zus. mit Hans III. Vischer). 
BRESLAU, Dom: Grabplatte für Bischof Johann IV. Roth, 1496. 
ELLWANGEN, Stiftskirche St. Vitus: Grabplatte für die Pröpste Johann von Hürnheim († 1480) und Albrecht von Rechberg († 1502), nach 1502. 
EMDEN, Große Kirche: Epitaph für Herzog Albrecht den Beherzten, nach 1500. 
ERFURT, Dom: Grabplatten für: Dr. Konrad Stein, nach 1499; Johannes Heringen, nach 1505; Henning Göden, 1521. 
HALBERSTADT, Dom: Grabplatte für Probst Balthasar v. Neuenstadt († 1516). 
HECHINGEN, Kath. Stadtpfarrkirche: Grabplatte für Eitelfriedrich von Hohenzollern und seine Gemahlin Magdalena von Brandenburg, um 1510/1511. 
KRAKAU, Dom: Grabplatten für: Peter Kmita, nach 1505; Paul von Szydtłowiecki, nach 1506; Kardinal Friedrich Jagiello, 1510; Unbekannter Kanoniker, um 1510; –, Dominikanerkirche: Grabplatte für Filippo Buonaccorsi, gen. Callimachus, Modell von Veit Stoß, um 1502/1503; –, Marienkirche: Grabplatten für: Peter Salomon, um 1505/1510; Mikołaj Salomon, um 1509; Emmeram Salomon, um 1510. 
LÜBECK, Marienkirche: Grabplatte für Godert Wigerinck († 1518). 
MEISSEN, DOM: Grabplatten für: Herzog Albrecht den Beherzten († 1500); Herzogin Amalie († 1502); Herzog Friedrich († 1510); Herzogin Zdena († 1510). 
MERSEBURG, Dom: Epitaph für Bischof Thilo von Trotha († 1514), um 1495. 
NAUMBURG, Dom: Grabplatte für Bischof Johannes von Schönberg, 1516. 
NÜRNBERG, Egidienkirche: Epitaph für Wolfgang Eisen und Ottilia Behaim, 1522; –, Heilig-Geist-Spital, Neue Kapelle: Grabplatte für Dr. Heinrich Zenner († 1489). –, Johannis- und Rochusfriedhof: Epitaphien, Verz. s. KDM Nürnberg, 1977. 
POSEN, Dom: Grabplatten für Bischof Uriel von Górka, nach 1498; Bernhard Lubranski, nach 1499; –, Dominikanerkirche: Grabplatte für Felix Paniewski, nach 1488. 
REGENSBURG, Dom: Epitaph der Margaretha Tucher († 1521). 
RÖMHILD, Pfarrkirche: Grabtumba für Hermann VIII. Graf von Henneberg († 1517) und der Elisabeth von Brandenburg († 1507). 
SCHWERIN, Dom: Grabplatte der Herzogin Helena von Mecklenburg, 1525-27; 
STOLBERG, Stadtkirche: Grabplatte des Pfarrers Ulrich Risbach († 1488); Grabplatte der Elisabeth von Stolberg († 1505). 
SZAMOTUŁY, St. Stanislaus: Grabplatte für Andreas von Schamothuly, nach 1513. 
TOMICE, St. Barbara: Grabplatte für Nicolaus Tomicki, 1524. 
TORGAU, Marienkirche: Grabplatte der Herzogin Sophia von Sachsen († 1503). ULM, Münster: Grabplatte für Dr. Ulrich Neithart d. J., nach 1500. 
WEIMAR, Herderkirche: Grabplatte für Herzogin Margaretha von Sachsen, nach 1521. 
WISMAR, Nicolaikirche: Grabplatte für Herzogin Sophia von Mecklenburg, nach 1504. 
WITTENBERG, Schloßkirche: Grabplatte für Henning Göden, 1521; Grabanlage für Herzog Friedrich den Weisen, 1525-1527; 
WÜRZBURG, Dom: Grabplatten für: Unbekannter Geistlicher, um 1500; Dompropst Georg von Giech († 1501); Domdekan Martin von der Kere, nach 1507; Dompropst Albert von Bibra, nach 1511; Bischof Lorenz von Bibra (nach 1519); Domdekan Peter von Aufseß, nach 1522. Verz. weiterer Werke s. Hauschke, Vischer 2006. 

MuS: MÜNCHEN, BNM: Kniender Mann (Trägerfigur eines Hausbrunnens), 1490 (Modell von Adam →Kraft). NÜRNBERG, GNM: Hl. Mauri­tius.

Lit.: ADB; Thieme-Becker; Nagler, KL; Doppelmayr, 1730; Gugel, Friedhöfe, S. 6; Zahns Jb. II, 1869, S. 236f.; Neudörfer-Lochner, 1875, S. 21-31; Bergau, in: Rep. f. Kw. Bd. 2, 1879; Hampe, Rv.; S. Meller: Peter Vischer d. Ä. und seine Werkstatt, Leipzig 1925; Habich, Schaumünzen; W. Fries, Peter Vischer d. Ä. in: GNM M, 1935, S. 57-68; K. Pechstein: Beiträge zur Geschichte der Vischerhütte in Nürnberg (Diss.), Berlin 1962 (mit Bibliographie); K. Pechstein, in: Lebensbilder Franken 7, 1977; D. Diemer, Handwerksgeheimnisse der Vischer-Werk­statt, in: Münchner Jahrbuch der bildenden Kunst 3. F., 47, 1996, S. 25-54; Erlanger/Fischer, 2000; Stadtlexikon 2000, Sven Hauschke, in: GNM A, 2002 S. 231-240; Hauschke, Vischer 2006 mit WV.

Ausst.: 1906/2; 1909/1; 1952/5; 1986/7; 1995/7.

Sven Hauschke
(zitiert aus dem Nürnberger Künstlerlexikon, Herausgegeben von Manfred H. Grieb)

Zeit: 15. Jh., 16. Jh.