geb. Nürnberg, 09. Dez 1687
gest. Nürnberg, 16. Jan 1765
Der Sohn eines Geleitsreiters ging beim Porträtstecher Augustin Christian Fleischmann in die Lehre und besuchte anschließend die Nürnberger Malerakademie. Bis auf zwei Aufenthalte in Wien (1710-1713 und 1718-1721), wo er für Fischer von Erlach Vater und Sohn sowie den Fürsten von Liechtenstein arbeitete, war er fast ausschließlich in Nürnberg tätig. Hier sind seit 1715 seine ca 120 Nürnberger Prospekte erschienen, sein heute noch populäres Hauptwerk. In ihnen wird die Stadt und das Nürnberger Land in barocker Sichtweise geschildert, eine wertvolle Quelle für die Architetktur und Volksleben. Des Weiteren sind weitere Prospektfolgen (Wien, Böhmen), Porträts und Buchillustrationen sowie Vorzeichnungen für seine Stiche von ihm bekannt. 1733 stieg er in den Stand der Genannten des Größeren Rats auf.
Dr. Werner Schultheiß
Das Gros seines Oeuvres sind die berühmten Nürnberger Kupferstiche, die die größte zuverlässige Dokumentation der Nürnberger Altstadt vor Erscheinen der Fotografie darstellen.
Dazu hat er das Alltagsleben der Stadt im barocken Zeitalter akribisch festgehalten.
Dr. Pablo de la Riestra
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Eintrag im Nürnberger Künstlerlexikon, Herausgegeben von Manfred H. Grieb:
Maler, Zeichner, Kupferstecher, Miniaturist,
* 9. get. 11. 12. 1687 Nürnberg – † 16. begr. 23. 5. 1765 Nürnberg, Grab Nr. 512 auf dem Johannisfriedhof. Sohn des Adam, Geleitsreiter. ∞ I) 17.1.1725 Maria Magdalena (get. 17.1. 1724 – begr. 16.8.1731), geb. Bittelmair, Witwe des Lorenz Olischer († 1731); II) 26.6.1736 Magdalena Sophia (get. 7.4.1707 – † 1738), Tochter des Johann Paul Stoy, Schaffer bei St. Lorenz; III) 4.1.1743 Maria Jacobina Öder († 29.10.1771), eine Tochter. Nach dreijähriger Lehre beim Kupferstecher August Christian Fleischmann besuchte er die Nürnberger Malerakademie unter Johann Christoph Eimmart und Johann Daniel Preißler. 1708-10 angeblich von Herzog Johann Georg von Sachsen-Weißenfels nach Leipzig berufen. 1710 reiste er über Wittenberg, Berlin, Dresden und Prag nach Wien, dort 1710-13 beim Architekten Johann Bernhard Fischer von Erlach tätig. 1713 Rückkehr nach Nürnberg, wo er an Johann Christoph Volkamers „Hesperiden“ mitarbeitete und an Stichfolgen Paul Deckers d. Ä. 1715 begann er mit der Herausgabe seiner Nürnberger Prospekte. In dieser Zeit auch erste Portrait-Aufträge. 1718 von Kaiser Karl VI. durch den Antiquitäteninspektor Karl Gustav Heraeus nach Wien berufen. Im gleichen Jahr war er auch für Fürst Anton Florian von Liechtenstein tätig, dessen Besitzungen in Österreich, Mähren, Böhmen und Schlesien er zeichnete und stach, und in dessen Archiv er bis 31.12.1721 mit Auszahlungen erscheint. Nach dem Tod des Fürsten 1721 Rückkehr nach Nürnberg, wo er bis zu seinem Tod tätig war. 1733 Genannter. Im gleichen Jahr begleitete er den holländischen Gesandten von Gallieris nach Holland und Flandern. Ab 1726 erscheint er als Kupferstecher im Nürnberger Ämterbüchlein, 1758 wurde er gestrichen, 1759 fehlt sein Name, 1765 wurde sein Name erneut gestrichen (Sterbejahr). Er schuf zahlreiche Kupferstiche mit Nürnberger Ansichten, die sein Hauptwerk darstellen. Bei C. G. Müller sind auf den Seiten 46-53 insgesamt 122 Kst. verzeichnet und in Forts. 1 weitere sieben Prospekte. Daneben malte er Kabinettstücke, Portraits und Historien in Miniatur und illustrierte u.a. das Scheuchzersche Bibelwerk für Endter. Panzer verzeichnete ca. 20 Portraitstiche mit seiner Signatur, darunter sein Selbstbildnis, für elf Stiche fertigte er auch die Vorlagen. Er wohnte am Laufer Schlagturm, südlich der Landauer-Kapelle (Innerer Laufer Platz 13). Er wurde als 3-Herren-Leiche begraben. Der Delsenbachweg in Nürnberg wurde nach ihm benannt.
Werke: Verz. seiner Nürnberger Prospekte s. C. G. Müller, 1791, S. 20, 46-53, 82, 123, 124, 133, 150, 159, Forts. I, S. 8, 9, 29, 49.
MuS: ERLANGEN, UB. COBURG, Veste. MÜNCHEN, BStGs. NÜRNBERG, GNM; –, MStN; –, LkAN. WIEN, Albertina; –, Hist. Mus.
Lit.: NDB; AKL; Thieme-Becker; Bénézit; Trechsel, 1735; Will, GL IV, S. 383; Barock, 1962; Zirnbauer, in: MVGN 52, 1963/64 mit Abdruck seines eigenhändigen Lebenslaufes um 1755; Schwemmer in: MVGN 52, 1963/64; Ludwig, 1998, S. 319; Stadtlexikon 2000; Kohn, NHb Sebald.
Ausst.: 1906/2; 1955/4; 1958/5; 1962/12 EA; 1991/1.
Stil: Barock
Zeit: 18. Jh.