geb. Nürnberg, 1487
gest. Nürnberg, Jun 1528
Familiengrab Nr. 90 auf dem Rochusfriedhof, Epitaph dat. 1522, noch vorhanden.
Zweiter Sohn des Peter d. Ä., Erzgießer. ∞ 1515 Barbara Magdalena (begr. 14.4.1570), Tochter des Arnold Mack, Faktor, sechs Kinder überlebend. Ausbildung wohl beim Vater. Eine Italienreise ist archivalisch nicht belegt, muss aber vorausgesetzt werden. Sie könnte noch vor 1507, vor der Porträtmedaille Hermann Vischers d. J. (Paris, Bibliothèque Nationale, Cabinet des Médailles) unternommen worden sein, spätestens aber bis 1514, als die Orpheus-und-Eurydike-Plaketten entstanden (Hamburg, Mus. für Kunst und Gewerbe; Berlin, Staatliche Museen Berlin; St. Paul im Lavanttal, Benediktinerstift; Washington, Nat. Gallery of Art). Seine in Italien gesammelten Eindrücke machten sich anschließend bei der Gestaltung des Sebaldusgrabes bemerkbar, denn ein Hauptanteil des Figurenschmucks kann ihm und seinem Bruder Hermann d.J., der ebenfalls in Italien war, zugeschrieben werden. Mit Rv. vom 22.5.1527 wurde den geschworenen Meistern des Rotschmiedehandwerks gesagt, Peter d. J. „das gemacht herzog Friderichs grab zue meisterstück ansagen“, gemeint war die Grabanlage für Friedrich den Weisen in Wittenberg. Ein Eintrag in die Meisterliste erfolgte jedoch nicht. Peter d. J. war zusammen mit Hermann d. J. das künstlerisch bedeutendste Mitglied der Vischer-Familie und nahm wesentlichen Einfluss auf die Gestaltung der Erzeugnisse. Er fertigte 1509 eine Medaille mit Selbstbildnis, auf der er sein Alter mit 22 Jahren angab (Paris, Bibliothèque Nationale, Cabinet des Médailles). Panzer verzeichnet sein Portrait. Seine Witwe heiratete am 30.11.1529 den Goldschmied Georg Schott d. Ä. Ab etwa 1510 werden die Söhne Peter d. J., Hermann d. J. und Hans wesentlichen Anteil an der Entstehung der großen Werke gehabt haben, die unter der Leitung von Peter Vischer d. Ä. ausgeführt wurden. Peter d. J. zeigte größtes Interesse an der Gestaltung des menschlichen Körpers, wie seine zahlreichen Proportionsstudien (Paris, Louvre), meist Kopien nach Zeichnungen Albrecht Dürers, und die bereits erwähnten Orpheus-und-Eurydike-Plaketten, die wiederum Dürers bahnbrechenden Adam-und-Eva-Stich verarbeiten, zeigen. Peter d. J. dürfte maßgeblich an der Grabplatte für Godert Wigerinck in der Marienkirche in Lübeck beteiligt gewesen sein, da das Relief mit den beiden kämpfenden Meerwesen einen engen Bezug zu anderen für Peter gesicherten figürlichen Kleinplastiken offenbart. Im folgenden werden nur Einzelarbeiten aufgeführt, soweit sie Peter d. J. zweifelsfrei zugewiesen werden können.
Werke: Verz. seiner Handzeichnungen s. Derick Dreher: The drawings of Peter Vischer the Younger and the Vischer Workshop of Renaissance Nuremberg, Diss. Yale University 2002 (Ms.), und Edmund Schilling: Peter Vischer als Zeichner, in: Städel-Jb. VII/VIII, 1932, S. 149-162. PLAKETTENVERZ. s. Weber, Renaissanceplaketten, 1975.
MuS:
ASCHAFFENBURG, Hofbibliothek, Ms. 10: Porträtplakette Kardinal Albrechts von Brandenburg auf dem Einband des „Missale Hallense“, 1523.
HAMBURG, Mus. für Kunst und Gewerbe: weibliche allegorische Figur, um 1515/1520.
MÜNCHEN, Staatl. Münzslg.: Medaille auf Johannes Stabius, um 1520.
NÜRNBERG, GNM, Graph. Sammlung: Scylla, Zeichnung, 1514; Münzkabinett: Medaillen.
OXFORD, Ashmolean Mus.: Tintenfaß, 1525; Tintenfaß, undatiert.
PARIS, Louvre: Zeichnungen.
WEIMAR, Goethe Nationalmus.: Handzeichnung.
Lit.: ADB; Thieme-Becker; Doppelmayr, 1730; Neudörfer-Lochner, 1875; Hampe, Rv.; M. Bernhart, in: MBNG, 1936; D. Wuttke: Die Histori Herculis des Nürnberger Humanisten und Freundes der Gebrüder Vischer, Pangratz Bernhaubt gen. Schwenter. Materialien zur Erforschung des deutschen Humanismus um 1500, Diss. Tübingen 1959; H. Stafski: Der jüngere Peter Vischer, Nürnberg 1962; Lebensbilder Franken 7; Pechstein, in: GNM A, 1968 S. 35-41; Mende, Dürer-Medaillen; Burger, 1972 Nr. 824; Sitzmann, 1983; Prein, 1989/91; Stadtlexikon 2000; S. Hauschke: Die Porträtplakette vom Einband des Missale Hallense (Ms. 10) als neues Werk Peter Vischers des Jüngeren, in: Andreas Tacke (Hrsg.): Der Kardinal. Albrecht von Brandenburg, Renaissancefürst und Mäzen, Essays, Regensburg 2006, S. 315-322; Hauschke, Vischer 2006 mit WV.
Ausst.: 1971/3; 1986/7; 1992/17; 1995/7.
Sven Hauschke
(zitiert aus dem Nürnberger Künstlerlexikon, Herausgegeben von Manfred H. Grieb)
Zeit: 16. Jh.