geb. Utrecht, 10. Jun 1630
gest. Wöhrd bei Nürnberg, 20. Dez 1708
Sohn des Gerrit (Gerhard), Stadtmayor. ∞ Nürnberg 26.11.1662 Agnes (get. 30.11.1641 – begr. 3.3.1710, wohnhaft auf der Veste), Tochter des Gottfried Pisanus, Kürschner und Genannter, fünf Söhne, sechs Töchter, drei Söhne (Wolf Hieronymus, Johann Georg und Peter) sowie eine Tochter überlebend.
Bemmel war evangelisch-reformierten Glaubens und entstammte einer großbürgerlichen Utrechter Familie. Als erster Biograf lobte ihn Sandrart 1675 und bezeichnete ihn 1683 als Lehrer der Deutschen, der eine neue Vorstellung von der Schönheit der Landschaft vermittle. Bemmel begann seine Lehre in sehr jungen Jahren und war Schüler bei Hermann Saftleven in Utrecht, wo er wohl auch von Jan Both beeinflusst wurde. Über seine Wanderjahre gibt es widersprüchliche Überlieferungen. 1647 soll er Venedig besucht haben. 1650 entstand ein „Kirchdorf“ in niederländischer Tradition, 1652/53 Rheinansichten bei St. Goar für den Landgrafen Ernst von Hessen. 1654 Radierfolge (Baumdarstellungen) in der Art des H. Saftleven. Anhand mehrerer Arbeiten ist eine Zeichnungstätigkeit von Motiven in der Gegend um Rom in den Jahren 1655-1660 anzunehmen. Eine England-Reise ist archivalisch nicht belegt, doch wurde sie in den von Georg Christoph Gottlieb II. Bemmel verfassten Biographien erwähnt. Nach einem kurzen Aufenthalt in Augsburg, wo er mit Joachim von Sandrart bekannt wurde, kam er 1662 nach Nürnberg und ließ sich in der Vorstadt Wöhrd nieder, wo er bis zum Schluss wohnte. Bemmel war ausschließlich Landschaftsmaler. Sein Oeuvre umspannt italianisierende Landschaften, Wasserfälle, Berg- und Waldlandschaften, Grottenhallen, Meeresküsten und seltener Stadtveduten. Die idealen Kompositionen beruhen dabei auf natürlichen Gesetzen, diese werden auch in den atmosphärischen Erscheinungen streng beachtet. Häufig schuf er auf Naturstimmungskontraste angelegte Gemäldependants. Die eigene Manier kommt ab der Nürnberger Zeit in den pastoralen Landschaften zum Ausdruck. Die Staffagen stammen meist von Johann Franz Ermels (Nbg.) und Johann Heinrich Roos (Frankfurt/Main), ferner von Johann Philipp Lemke, Johann Murrer, ab den 1680er Jahren auch von seinem Sohn Johann Georg. Seit den 1690er Jahren pflegte er einen phantasievollen Spätstil unter zunehmender Werkstattbeteiligung, die Formate reichten bis zur Größe von 164 x 264 cm. Seine Bilder dienten bis zur Dresdner Frühromantik als Vorlagen für Radierer und Kupferstecher, darunter für Johann Georg Wagner und Christian Wilhelm Ernst Dietrich. Das Nürnberger Bürgerrecht erwarb Bemmel nicht.
1679 wurden er und Ermels wegen Unzucht mit Frauen von schlechtem Ruf verhaftet. Mit Ratsbeschluss vom 12.5.1679 wurde Bemmel auf Fürsprache seiner Frau freigelassen. Ein von ihm dem Rat angebotenes Kunstwerk sollte in das Rathaus kommen. Vielleicht ist diese Arbeit Bemmels identisch mit einem Gemälde, das Georg Jacob Lang in seinem 1711 verfassten Rathausinventar beschrieb als „eine gar schöne grosse Landschaft von dem alten Wilhelm von Bemmel“ (Ernst Mummenhoff: Das Rathaus in Nürnberg, Nürnberg 1891, S. 293); dieses Bild erwähnt Murr auch noch 1778 (Christoph Gottlieb von Murr: Beschreibung der vornehmsten Merkwürdigkeiten in das H. R. Reichs freyen Stadt Nürnberg und auf der hohen Schule zu Altdorf, Nürnberg 1778, S. 401). Darüber hinaus wurde gegen den Maler vom Presbyterium der reformierten Gemeinde ein Kirchenzuchtverfahren eingeleitet und Bemmel von seiner Gemeinde zeitweise ausgeschlossen. Am 19.11.1679 wurde er „scharf besprochen“. Er bereute seine Missetat und versprach ernsthafte Besserung, woraufhin er laut Protokollbuch wieder in die Gemeinde aufgenommen wurde.
Bemmel wurde zum Stammvater einer großen Künstlerfamilie. Panzer verzeichnete sein Portrait.
Lit.: Wolf Eiermann: Willem van Bemmel (1630-1708). Monografie mit kritischem Werkverzeichnis der Gemälde, Petersberg 2007