Wolf
Traut

Maler, Entwerfer für Glasgemälde, Reißer für Holzschnitte

geb. Nürnberg, 1482/87

gest. Nürnberg, Jun 1520

Maler, Reißer für den Holzschnitt und für Glasgemälde,

* um 1482/87 Nürnberg – † Juni/Juli 1520 Nürnberg.

Sohn oder Neffe des →Hans, Maler; blieb ledig. Wahrscheinlich erhielt er seine erste Ausbildung in der Werkstatt seines Verwandten Hans →Traut. Es ist anzunehmen, daß Traut die Werkstatt längere Zeit über verstärkte und später übernahm. Möglicherweise ist das für das Jahr 1514 zweimal belegte Monogramm, bestehend aus seinen ineinandergestellten Initialen ein Hinweis auf die erlangte Selbständigkeit. Um 1505 trat Traut in Kontakt mit der Werkstatt Dürers. Als Reißer entwarf er neben →Baldung, →Schäufelein und →Kulmbach Holzschnitte für Pinders Buch „Der beschlossen gart des rosenkrantz marie“ (1505). Eine engere Beziehung zu Dürer selbst nahm Traut wohl erst nach dessen Rückkehr aus Italien 1507 auf. Um 1512/13 beteiligte er sich an der von Maximilian I. bei Dürer in Auftrag gegebenen „Ehrenpforte“. Zu Trauts Auftraggebern gehörten die Äbte des Klosters Heilsbronn, Nürnberger Patrizier und Kaufleute, Kardinal Albrecht von Brandenburg sowie verschiedene Drucker. Am Anfang seines malerischen Werkes stehen die Bildnisse eines jungen Mannes (1509) und der Nürnbergerin Katharina Geyger (1510). Zwischen 1513-18 führte er im Auftrag der Äbte Sebald Bamberger und Johannes Wenck Arbeiten für das Zisterzienserkloster in Heilsbronn aus: Jungfrauenretabel (1513), Mauritius-Vincentius-Retabel (1515/17), Taufe Christi (1516/17), Petrus-Paulus-Retabel (1517/18). 1514 ist das Retabel der Heiligen Sippe datiert, das Traut für Kunz →Horn und Barbara Krell malte. Das Johannesretabel für Fritz Holzschuher und Barbara Kress kann 1514/15 datiert werden. Neudörfer kannte Trauts Hauptwerk, ein Sippenretabel (sog. Artelshofener Altar) und erwähnte seine Freundschaft zu Hermann →Vischer. Kurz vor seinem Tod begann Traut mit den Holzschnitten zum Heiltumsbuch des Kardinal Albrecht von Brandenburg. Sie wurden von einem Meister aus dem Umfeld Lucas Cranachs vollendet. In Trauts Gemälden und Zeichnungen spiegelt sich die Kenntnis von Dürers Maltechnik und dessen Bildideen sowie die Auseinandersetzung mit humanistischen Themen. Einige von Dürers Werken scheinen Traut in ihren frühen Entwicklungsphasen bekannt gewesen zu sein. Es bleibt jedoch zweifelhaft, ob er in Dürers Werkstatt über einen längeren Zeitraum fest beschäftigt war. Trauts Mitarbeit beschränkte sich wohl auf die Tätigkeit als Reißer und war projektgebunden. Weiteren Einfluß übte das Werk Hans von Kulmbachs auf Trauts Schaffen aus. Der überlängte Figurenstil, Faltenmotive und Gesichtstypen können auf ihn zurückgeführt werden. Als sein Mitarbeiter wird Traut hingegen nicht faßbar. Für die Komposition seiner Gemälde benutzte Traut druckgraphische Vorlagen aus dem Werk Schongauers, Dürers und dessen Umkreis. Oft kombinierte er Vorlagen mit selbst erfundenen Figuren. Formelhaft verwendete er immer wieder die gleichen Gesichtstypen und Gesten, eine Arbeitsweise, die zu unnatürlich verdrehten Figuren führte, die kennzeichnend für seinen Stil sind. Charakteristisch ist des Weiteren die additive, zeichnerische Anlage der Figuren, die oft von voluminösen Gewändern bestimmt wird. Ins Dreiviertelprofil gedrehte Köpfe sind häufig nicht korrekt verkürzt, die Augen oft stark von den Oberlidern überschnitten. Für die um 1514 entstandenen Bildnisse ist ein Landschaftshintergrund mit gerafftem Vorhang typisch. Von Traut sind u.a. Visierungen eines Schreins und eines Gesprenges erhalten, die seine Tätigkeit als Entwerfer von Retabeln belegen, sowie der Entwurf für eine Wandmalerei. Wahrscheinlich war er als Reißer für Glasgemälde tätig, doch läßt sich diese Annahme nicht belegen. Die Traut bislang zugeschriebenen Risse müssen aus stilistischen Gründen ausgeschieden werden. Die Visierungen legen die Vermutung nahe, Traut habe die Gesamtleitung über die Herstellung von Retabeln besessen. Für das Petrus-Paulus-Retabel in Heilsbronn wurde Traut hingegen nur für die Gemälde herangezogen, während der Auftrag für den Skulpturenschmuck von Abt Bamberger an den Schnitzer Peter Trünklin vergeben wurde. Für die Skulpturen des Stanislausretabels konnte Traut als Faßmaler nachgewiesen werden. Nur am Johannesretabel läßt sich die Kooperation Trauts mit einem zweiten Maler feststellen. Wahrscheinlich besaß Traut eine sehr kleine, aber flexible Werkstatt, die die wichtigsten Aufgaben eines Malers zu Beginn des 16. Jh. gut zu lösen verstand. Traut verknüpfte Tradition mit einer neuen Formensprache. Seine Auftraggeber weisen ihn als einen gefragten und in Nürnberg etablierten Maler und Reißer aus. Die Trautstraße in Katzwang wurde nach ihm benannt. Der Maler Peter →Gertner, der am 12.1.1521 das Nürnberger Bürgerrecht erhielt, knüpfte an Trauts Bildniskunst an, indem er das Vorhangsmotiv aufgriff und den zeichnerischen Stil fortführte.

Werke:

HEILSBRONN, St. Maria und Jakobus: Jungfrauenretabel; Mauritius-Vincentius-Retabel; Bildnis Abt Sebald Bambergers; Petrus-Paulus-Retabel, St. Maria u. Jakobus. HOLZSCHNITTE: Hl. Stephan zwischen zwei Bischöfen; Abschied Christi von seiner Mutter; Hallesches Heiltumsbuch.

MuS: 
Gemälde: AACHEN, Suermondt Ludwig Mus.: Zwei Tafeln eines Johannesretabels. BAMBERG, Historisches Mus.: Vier Tafeln eines kleinen Katharinenretabels; –, Staatsgalerie: Begegnung an der Goldenen Pforte. BERLIN, DHM: Geburt Mariae. ESZTERGOM, Keresztény Muzeum: Geburt und Beschneidung Christi. LONDON, Hampton Court: Bildnis eines jungen Mannes mit Rosenkranz. MADRID, Mus. Thyssen-Bornemisza: Bildnis der Katharina Geygerin. MÜNCHEN, BNM: Sippenretabel; –, Alte Pinakothek: Hl. Sebald. NÜRNBERG, GNM: Hl. Barbara, Hl. Johannes Evangelist; Taufe Christi; –, Johanniskirche: Johannesretabel; –, St. Sebald: Krönung Mariae. SCHWEINFURT: Schiffahrt der Hl. Ursula, Maria und Apostel. WARSCHAU, Nationalgalerie: Flügel eines Stanislausretabels. WIEN, KhM: Bildnis eines Manns.

Zeichnungen: BERLIN, Kupferstichkabinett: Visierung eines Retabelschreins. BUDAPEST, Mus. der Bildenden Künste, GS: Heilige Sippe. COBURG, Kunstslg. der Veste: Kreuztragung. ERLANGEN, UB, GS: Ritter und Drachen; Büßender Hieronymus. OXFORD, Ashmolean Mus.: Venus und Jüngling. PARIS, Louvre, Cabinet des Dessins: Anna Selbdritt. ROTTERDAM, Mus. Boymans (zuletzt 1940): Visierung eines Gesprenges.

Lit.: Thieme-Becker; Müller-Singer; Will Münzbel. Bd. IV, S. 362; Neudörfer-Lochner, 1875, S. 136f.; Hampe, Rv. I, 918; C. Dodgson, Zum Holzschnittwerk Wolf Trauts, in: Mitt. d. Ges. f. vervielf. Kunst, 1906 u. Nachtrag 1908; Christian Rauch: Die Trauts, Studien und Beiträge zur Nürnberger Malerei, Straßburg, 1907; Bock, 1929; Schleif 1990; Strieder 1993; Löcher, 1997; Heilsbronn. Ein Zisterzienserkloster in Franken. Hrsg. von Paul Geißendörfer. Heilsbronn 2000; Kurt Löcher, in: Hortulus floridus Bambergensis. Studien zur Fränkischen Kunst- und Kulturgeschichte. FS Renate Baumgärtl-Fleischmann. Petersberg 2004, S. 285-300; Deutsche Gemälde im Städel 1500-1550. Bearbeitet von Bodo Brinkmann und Stephan Kemperdick (Kataloge der Gemälde im Städelschen Kunstinstitut, Frankfurt am Main, V). Mainz 2005; Lata, 2005.

Ausst.: 1906/2; 1928/2; 1959/4; 1961/8; 1971/3; 1986/7; 1992/17; 1994/13.

Sabine Lata


(zitiert aus dem Nürnberger Künstlerlexikon, Herausgegeben von Manfred H. Grieb)


Stil: Spätgotik

Zeit: 15. Jh., 16. Jh.