get. Nürnberg, 02. Nov 1570
begr. Nürnberg, 20. Nov 1619
Beheim (Behaim, Böheim, Böhm)
(Johann W.) get. 2. 11. 1570 Nürnberg – † 17. begr. 20. 11. 1619 Nürnberg,
Grab Nr. 1301 auf dem Johannisfriedhof, Epitaph dat. 1606, noch vorhanden. Sohn des Heinrich II., Schreiner. ∞ 26.9.1597 Anna Wednitzer (* Auerbach – † 1625), eine Tochter. 1597 Meister. Lt. Neudörfer zeichnete er viele Visierungen von Gebäuden, Portalen und Getäfel. Nach Doppelmayr war er Liebhaber der Geometrie, Architektur und Mathematik. Das früheste Werk ist die 1595 dat. Handwerkslade der Nürnberger Schreinergesellen mit aufwendigem architektonischen Dekor und Einlagen aus verschiedenen Edelhölzern sowie Alabaster, Perlmutt, Glas und Zinn (im GNM). Das einzige Zeugnis für seine Architektentätigkeit ist ein 1611 dat. und mit HWB sign. Bauplan für den Herrensitz der Patrizierfamilie Praun in Almoshof bei Nürnberg (im StadtAN). Das entwurfsgemäß ausgeführte mehrstöckige Gebäude mit vier Ecktürmen wurde 1632 zerstört. Vor 1616 fertigte er für die Prauns außerdem zwei nicht erhaltene Tische aus Ebenholz, Nußbaum und Jacaranda mit Einlagen aus kostbaren Steinen. Ein Antrag zur Veranstaltung eines Glückshafens „behufs Absatzes künstlicher Schreinerarbeiten“ wurde mit Rv. vom 4. und 9. Januar 1613 abgelehnt. Vor dem 14.8.1613 lieferte er mehrere Risse für hölzerne Kronleuchter im großen Rathaussaal. Der einzige angefertigte Leuchter wurde nach Verbesserungen am 10.7.1615 im Großen Rathaussaal aufgehängt und 1620 vergoldet; Beheim erhielt dafür 400 fl. Um 1613/16 fertigte er im Auftrag des Rates ein Stadtmodell mit den Wehranlagen (im Stadtmuseum Fembohaus). 1619 begann er die Kassettendecke für den Kleinen Rathaussaal, welche 1620 aufgehängt und vom Bildhauer Emanuel Schweigger mit plastischem Zierat versehen wurde. 1622 erhielt seine Witwe für die Decke eine Restzahlung von 150 fl. Nach Sturm gab Beheim 1617 eine dt. Übersetzung der Regola delli cinque ordini d'archit. des Giacomo Barozzi da Vignola in der venez. Ausg. von 1595 heraus, die jedoch nicht nachgewiesen werden konnte. Bis zu seinem Tod wohnte er auf dem Schwabenberg. Panzer verzeichnete sein Portrait. Seine Tochter Katharina heiratete Christoph Kurtz, Unterpfleger in Gostenhof, in zweiter Ehe am 21.5.1640 den Maler Veit Reichert.
Lit.: NDB; AKL; Thieme-Becker; Doppelmayr, 1730; Will, GL I, S. 90; E. Mummenhoff, in: MVGN 8, 1889, S. 250f.; Ders., Rathaus, S. 119, 144 u. 335; KDM Nürnberg, 1977; Zahn, DI-N Nr. 2840; Stadtlexikon 2000.
Ausst.: 1966/3; 1994/13 Nr. 161.
(zitiert aus dem Nürnberger Künstlerlexikon, Herausgegeben von Manfred H. Grieb)
Stil: Barock, Renaissance