geb. Pesari im Val Trompia von Brescia, 18. Mai 1538
begr. Nürnberg, 21. Nov 1624
* 18. 5. 1538 Pesari im Val Trompia von Brescia, damals Staatsgebiet von Venedig – † 18. begr. 21 11. 1624 Nürnberg, ehemals Grab Nr. 6 auf dem Johannisfriedhof, Epitaph heute an der südl. Außenwand der Johanniskirche. Sohn des Bernardo, Krämer. ∞ I) 25.1.1569 Anna Scheffer (* 1530 – begr. 14.9.1585), Witwe des Georg Scheffer, Händler, welche acht Kinder mit in die Ehe brachte, dazu kamen vier gemeinsame Kinder, von welchen nur der Sohn Bartholomäus d. J. und die Tochter Maria überlebten; II) 1586 Florentina Jäger (* Schwäb. Gmünd 1563/64 – † 1628), vier Söhne, sieben Töchter; die zweite Ehe war nicht besonders glücklich. 1550 kam er mit dem Nürnberger Kaufmann Hans Vollandt als mittelloser Junge nach Nürnberg, bei welchem er sieben Jahre eine Handlungslehre machte, anschließend schickte ihn Vollandt vier Jahre nach Lyon. Nach Unstimmigkeiten verließ er Vollandt. Nach mehrmaligen Stellungswechseln arbeitete er zuletzt für Jörg Scheffer in Nürnberg, für den er drei Jahre in Schlesien gewesen zu sein scheint. Nach dem Tod Scheffers kam er nach Nürnberg zurück, wo er nach Auflösung der Breslauer Gesellschaft 1250 fl. erhielt. Er heiratete Scheffers Witwe, die etwa 11.000 fl. mit in die Ehe brachte. Am 3.11.1569 wurde er Nürnberger Bürger, 1574-1624 Genannter, 1583 Gassenhauptmann, 1609 erster Marktvorgeher, 1615-22 Assessor im Stadtalmosenamt. 1570 gründete er mit den zwei Nürnberger Kaufleuten Forst (Fürst) und Lang eine Handelsgesellschaft. 1579 gehörte er mit 500 fl. zu den größten Steuerzahlern der Stadt. Im Laufe der Jahre ergaben sich verschiedene Änderungen, 1591 wurde der Schwiegersohn Martin →Peller in die Handelsgesellschaft aufgenommen. Das Vermögen seiner Handelsgesellschaften, für welche bis zu 3000 Personen gleichzeitig tätig waren, wurde zeitweise auf zwei Mio. fl. geschätzt. Viatis betrieb einen umfangreichen Handel mit Venedig, war Verleger zahlreicher Weberzünfte Mitteldeutschlands und zählte zu den größten und kapitalkräftigsten Firmen Deutschlands überhaupt. 1621 beteiligte er sich mit einer hohen Einlage an der Gründung des Banco Publico. Sein Geheimbuch und eine Vermögensübersicht von 1598 befinden sich im Stadtarchiv Nürnberg. Er begründete eine umfangreiche Sammlung, die von seinem Sohn Johann Andreas fortgeführt wurde. Am 30.8.1569 kaufte er von Hieronymus Beheim d. J. und dessen Frau Anna um 3100 fl. rh. bar plus 2700 fl. Hypotheken das sog. „Hirschvogelhaus“ an der Barfüßerbrücke (Königstraße 2), das er prächtig ausbauen und von Thomas →Ölgast außen bemalen ließ. Das Haus Kaiserstraße 33 aus dem Besitz des ersten Ehemannes seiner Frau verkaufte er 1578 für 721 fl. 1591 erwarb er um etwa 8500 fl. den Herrensitz Schoppershof. Bei seinem Tod betrug sein Privatvermögen nach Abzug der Schulden 1.098.862 fl. womit er vermutlich der reichste Bürger des Reiches war. Er hinterließ zahlreiche wohltätige Legate. Die Viatis verkauften ihre Geschäftsanteile 1729, die Peller 1740. Ein Portrait des Bartholomäus Viatis befindet sich im GNM, ebenso sein 1624 von Georg →Gärtner d. J. gemaltes Bildnis auf dem Totenbett. Panzer verzeichnete sein Portrait in mehreren Varianten. 1613 Medaille. Die Viatisstraße wurde nach ihm benannt.
MuS: NÜRNBERG, StadtA: Familienarchiv Viatis.
Lit.: Waldau, Zion 1787, S. 59; Roth, 1802; Nürnberger Gestalten, 1950; Haarländer, 1964; M. Kellenbenz, in: Lebensbilder Franken, 1, 1967; G. Seibold: Die Viatis u. Peller, Nürnberg 1977; G. Seibold, in: GNM A, 1982; A. Tacke: Bartholomäus I. Viatis im Portrait, in: MVGN 83, 1996; Stadtlexikon 2000; Zahn, DI-N Nr. 2077, 2930 u. Nr. 3867.
Ausst.: 1952/4; 1970/12; 1998/11, S. 180.
(zitiert aus dem Nürnberger Künstlerlexikon, Herausgegeben von Manfred H. Grieb)
Stil: Frühbarock, Renaissance