Willibald
Pirckheimer

Patrizier, Ratsherr, Humanist, Literat

geb. Eichstätt, 05. Dez 1470

gest. Nürnberg, 22. Dez 1530

Grab Nr. 1414 auf dem Johannisfriedhof, erhalten. Sohn des Hans II. ∞ 13.10.1495 Crescentia († 17.5.1504), Tochter des Paulus Rieter, Patrizier, fünf Töchter, ein Sohn. 1478-88 Unterricht von seinem Vater. 1488/89 wurde er am Hof des Bischofs von Eichstätt in den ritterlichen Künsten unterrichtet. 1489-92 juristische Ausbildung in Padua, nebenher humanistische Studien und erste griechische Sprachstudien. 1492-95 in Pavia, wo er sich vorwiegend der Rechtswissenschaft widmete. 1496-1530 Genannter in Nürnberg, 1496 bis 1523 Ratsherr, 1496 Junger Bürgermeister, unterbrochen von Ostern 1502 bis Ostern 1505. In dieser Zeit Selbststudium der griechischen Sprache. 1499 war er Führer des Nürnberger Kontingents im Schwabenkrieg Kaiser Maximilians; in seinen letzten Lebensjahren verfaßte er darüber ein Manuskript (im BM London): „Bellum Suitense“ (Schweizerkrieg), das jedoch erst 1610 veröffentlicht wurde und mehrere Auflagen erlebte. Auf einem Portraitstich von 1505 wurde er als Hauptmann bezeichnet. Willibald Pirckheimer war einer der bedeutendsten deutschen Humanisten mit profunder Kenntnis der antiken Sprachen, er machte sich auch als Geograph einen Namen. Mit seiner „Germaniae explicatio“, Nürnberg 1530, schuf er die erste historische Geographie Deutschlands. Lebenslange Freundschaft mit Albrecht Dürer. 1512/13 fertigte er für Kaiser Maximilian eine lateinische Übersetzung aus dem Griechischen des Horus Apollon (Hieroglyphika des Horapollon), zu welcher Dürer die Illustrationen besteuerte und die er 1514 dem Kaiser in Linz persönlich überreichte. Ursprünglich der Reformation zugeneigt, wandte er sich in den letzten Jahren seines Lebens mehr und mehr von ihr ab, auch weil er die kirchenpolitischen Maßnahmen des Rates mißbilligte. Vom 31.9.1520 bis Februar 1521 war er mit dem päpstlichen Bann belegt. Seine umfangreiche Bibliothek, die teilweise auf seinen Vater zurückging, enthielt auch eine bedeutende Anzahl von Handschriften und Drucken antiker griechischer Autoren; nach seinem Tod ging sie teilweise in den Besitz seiner Tochter Barbara Straub, teilweise in die Hände seiner älteren Tochter Felicitas Imhoff über. Nach dem Tod der Schwester wurde die Bibliothek durch den Enkel Willibald Imhoff wieder vereint. Neben Büchern und Handschriften sammelte er Gold- und Silbergefäße sowie Münzen und Medaillen. Seine Einkünfte aus 60 Häusern wurden auf 720 fl. p.a. geschätzt. In den letzten Jahren seines Lebens wurde er stark von der Gicht geplagt. Sein Geburts- und Wohnhaus war am Hauptmarkt 19, durchgehend zur Winklerstraße 20, das später auf seine älteste Tochter Barbara, verh. mit Hans Straub, überging; bei der Erbteilung wurde sein Wert auf 4600 fl. veranschlagt. Daneben besaß Pirckheimer ein Gartenanwesen in der Johannisstraße 13. Sein Nachlaßinventar von 1531 ist bei Pohl, 1992 veröffentlicht. Dürer fertigte von Pirckheimer eine Silberstiftzeichnung und einen Kupferstich. Sein von Friedrich Wilhelm Wanderer gemaltes Bildnis befindet sich im Besitz der MStN. Panzer verzeichnete sein Portrait in vielen Varianten, ebenso wurden einige Medaillen auf ihn geschaffen. Die Pirckheimerstraße (1873) und das Pirckheimer-Gymnasium (1971) wurden nach ihm benannt.


Werke: Opera politica, historica, philologica et epistolica. Übersetzung von Plutarchs Schrift gegen den Wucher. Verz. seiner Schriften s. NDB und Will, GL III, S. 184-199 und VII, S. 164-174.

MuS: NÜRNBERG, StadtB. –, GNM.

Lit.: ADB; NDB; Doppelmayr, 1730; Will, Münzbel. Bd. I, S. 337; Habich, Schaumünzen; E. Reicke, Briefwechsel Willibald Pirckheimers, Bd. 1-2, München 1940-56; H. Rupprich, in: Lebensbilder Franken 1, 1967; Willibald Pirckheimer 1470-1970, eine Dokumentation der StadtBN 1970; W. P. Eckert und Ch. von Imhoff, Willibald Pirckheimer, Köln 1971; Buhl, 1971; Mende, Dürer-Medaillen 1983; D. Wuttke, Der Humanist Willibald Pirckheimer, 1994; Erlanger/Fischer, 2000; Stadtlexikon 2000; Kohn, NHb Sebald.


Ausst.: 1906/2; 1907/3; 1957/5; 1959/26; 1971/3; 1980/6 EA.


(zitiert aus dem Nürnberger Künstlerlexikon, Herausgegeben von Manfred H. Grieb)

Stil: Renaissance

Zeit: 15. Jh., 16. Jh.