Christian Ludwig
Kaulitz

Zeichner, Kartograph

geb. Berlin, 1693

gest. Nürnberg, 01. Mai 1744

In Berlin geboren, verbrachte er dort seine ersten Jahre. Bei seinem Vater Johann Joachim Kaulitz, der seit 1705 als Brunnenmacher und Spritzenmeister in Charlottenburg tätig war, erhielt er Unterricht in mathematischen Wissenschaften und sicherlich auch seine erste zeichnerische Ausbildung. Nach dem frühen Tod des Vaters 1708 (die Mutter Maria Margaretha Klopsin starb am 4.5.1716) war die wirtschaftliche Situation seiner Familie und somit seine weitere Entwicklung durch Mangel und Nöte gefährdet. Er verübte einige kleine Diebstähle und wurde von seiner Verwandtschaft in seinem 17ten Jahr in ein Erziehungsheim gesteckt, aus dem er nach einem halben Jahr entfloh. In dieser Zeit muss seine heute im GNM (SP 25, Kapsel 1077) aufbewahrte Zeichnung von Berlin, Cölln an der Spree und Friedrichswerder in Schrägaufsicht von Südosten entstanden sein. Es begann seine Wanderschaft, welche ihn durch Schlesien, Böhmen, Mähren, Ungarn, Österreich und Polen führte. Auf diesen Reisen sind die Ansichten von Posen (in der Bibliothek von Kórnik-Zamek) und Wien (im GNM, SP 6593, Kapsel 1138) entstanden. Kaulitz nutzte seine künstlerischen Talente und Fähigkeiten um an Geld zu gelangen. Immer wieder gelang es ihm mit gefälschten Dokumenten und Empfehlungsschreiben Geldspenden für angeblich in Not befindliche Klöster zu erbeuten. Bis 1721 seine Betrugsserie in Gräfenberg bei Nürnberg aufflog, als er ein Sammelpatent für eine zu Troppau in Schlesien abgebrannte evangelische Kirche vorlegte, auf das der Geistliche misstrauisch reagierte. Er kam nach der Untersuchungshaft im Nürnberger Lochgefängnis in das Turmgefängnis auf dem Luginsland. Ab 1731 war er die Jahre bis zu seinem Tode 1744 auf dem Männereisen auf der Insel Schütt. Während seiner Haftzeit in Nürnberg arbeitete er als „geheimster“ Schreiber und Kopist für die Stadt, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Dabei handelte es sich meist um Kopien älterer Karten. Zusätzlich konnte er durch private Aufträge seine Versorgung im Gefängnis verbessern. Die von ihm erhaltenen Quodlibets belegen wie ein „Musterblatt“ seine Meisterschaft und breiten sein ganzes künstlerisches Können vor uns aus.

Theo Noll



Stil: Barock